Gewahrsein durch Bewegung

mit Erhard Klammerth

Berichte von Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Findet der Körper seinen ursprünglichen Bewegungszusammenhang, können sich Seele und Geist frei entfalten. Wilhelmine Keyserling

 



Es ist die Leichtigkeit des Lernens, die Feldenkrais für mich so überzeugend macht. Wir sind es wohl nicht gewöhnt, dass Lernen "wie von selbst" geschehen kann, aus den Motiven des eigenen Körper heraus.

In den Stunden ist das immer sehr schön, zu erleben: zuerst ist da Verwirrung, aber relativ rasch entsteht genug Klarheit, dass eben noch schwierig erscheinende Bewegungen  "wie von selbst"  einfacher werden. Und es ist eben kein Üben, sondern ein Lernen: damit entsteht bei mir Neugier und in letzter Zeit bemerke ich, dass ich nach den Stunden ganz generell optimistischer bin, als ob ich mir noch unbekannte Möglichkeiten spüre, die sich gerade zu eröffnen beginnen.

 


 

Heiterkeit

Über die Wirkung der Methode, die ein ganzheitliches Lernen für den Körper und mittels des Körpers ermöglicht, über „Bewusstheit durch Bewegung“ wurde schon viel geschrieben, nicht nur von dessen Entdecker, Moshe Feldenkrais, sondern auch von vielen Praktikanten dieses Weges: Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Verständnis für die eigenen Bewegungsgewohnheiten werden geschärft, ist etwa auf der Homepage einer Feldenkrais-Trainerin zu lesen. Wer sich jemals auf diese Art des Lernens eingelassen hat, kann das bestätigen, und die Liste vielleicht noch detailreicher erweitern – Verbesserung von Bewegungskoordination und Atmung, Stressabbau, Abbau von Anspannung, Schmerzlinderung, etc. Doch mit Erleichterung oder Leichtigkeit sind vielleicht Worte gegeben, die das alles in zusammenfassender Weise treffen. Leichtigkeit hat jeder erlebt, der in den vielfältigen Bewegungsexperimenten seiner Bewegungsmuster und selbstauferlegten Beschränkungen gewahr wurde, sie bis zu ihren Anfängen zurückverfolgt, dann neue Wege erkundet und sich schließlich aufrechter, leichtfüßiger und beweglicher wiedergefunden hat.

Leichtigkeit ist vielleicht der Schlüsselbegriff, der die etwas kryptisch anmutende Behauptung von Moshe Feldenkrais, seine Methode würde den Verstand mit der Schwerkraft versöhnen, auf den Boden der erlebten Tatsachen stellt.

Wenn aber durch Bewegung Bewusstheit erreicht werden soll, wie ja der Name der Methode nahelegt, muss gesteigerte Wachheit, welche ein intensiveres Sein und Erleben ermöglicht, wohl als die umfassendste und eigentliche Intention und Wirkung dieses Lernens verstanden werden.

Ich muss gestehen, dass ich nicht allzu viel zu dem Thema gelesen habe, und ich weiß nicht, ob man all dem noch etwas hinzufügen kann, ohne sich in langweilenden Wiederholungen zu ergehen. Doch als ich unlängst am Morgen des letzten Tages eines dreitätigen Feldenkrais-Seminars den Auswirkungen nachgespürt habe, wurde ich einer Qualität gewahr, die mir zwar vertraut ist, doch in diesem Zusammenhang noch nie so bewusst geworden war

- eine stille, grundlose Heiterkeit. Weder wurde sie mir als Preis versprochen,

noch habe ich mein Bemühen auf sie gerichtet. Fast wäre sie an dem Morgen meinem Denken entgangen, hätte ich nicht für einen Augenblick fragend innegehalten. Gewiss hätte sie mich aber auch einfach so, ganz selbstverständlich, auch ohne mir sprachlich bewusst zu sein, durch den Tag getragen.

Dago Vlasits

 


 

Praktische Beobachtungen

Wenn ich am Rücken am Boden liege, ist mein Abdruck jetzt ein ganz anderer. Ich bin weniger krumm und verbogen, und im Allgemeinen gibt es mehr Kontakt mit dem Boden. Langsam beginnen sich meine rechte und linke Seite wieder miteinander bekannt zu machen.

 


 

Jedes Mal von neuem: sich hinlegen, den Boden begrüßen, die Ausrichtungen und Räume des Körpers spüren, dem Atem folgen und der Schwerkraft. Dann: in Bewegung kommen, verschiedene Wege ausprobieren, das Gewohnte, allzu Geläufige buchstabieren und auseinandernehmen, aufhorchen, ganz inneres Ohr und Auge sein. Ausloten – ins Lot kommen. Und immer wieder: an Muster und Grenzen stoßen, zurück an den Anfang (Mensch ärgere dich nicht ), auf den Körperwitz vertrauen, mit dem Spielbein aufstehen, Nachgeben, Ratlosigkeit, Neugier, Heiterkeit, beiläufiges oder plötzliches Bemerken. Etwas Kleines hat sich verändert, schwingt im ganzen Menschen nach, zieht Kreise. Steht auf, geht, atmet, schaut ein wenig anders, ein wenig selbstverständlicher sich gebrauchend, staunend vielleicht über eine wiedergefundene Leichtigkeit, über den Geschmack von Lebendigkeit.

 


 

Besonders fällt mir diesmal auf, dass die Bewegung des Körpers auch die "Beweglichkeit meines Gehirns", meiner Gedanken und Gedankengänge verändert haben. Das erlebe ich als sehr angenehm und als eine wohltuende Erweiterung...

 


 

Ich komme seit fast zehn Jahren am Mittwoch zum Feldenkrais-Abend, weil diese 1,5 Stunden anregen, fokussieren und leicht machen. In der scheinbaren Beschränktheit meiner Bewegungsabläufe kann ich neue Spielräume entdecken. Das Wissen um diese versteckten und zu entdeckenden Möglichkeiten macht mir viele andere Situationen und Entscheidungen im Leben leichter und vielfältiger. Mir gefällt die Tatsache, dass wir im Kleinen und Langsamen einen wahren Kosmos erforschen und dass ich dieser Kosmos bin.“

 


Eine Wanderung im Wienerwald
Wir haben heute eine lange Wanderung im Wienerwald gemacht.
Wir sind langsam gegangen und haben einen  nicht zu steilen Weg gewählt,
da ich ein Problem mit einem meiner Knie hatte.
Dabei habe ich mit manchem, was wir in deiner Letzten Stunde gelernt haben, experimentiert – beim Aufwärtsgehen habe ich darauf geachtet,
ob und wie sich während des Ein- und Ausatmens das Brustbein bewegen kann,
was dadurch mit der Linie vom Kopf zum Steißbein passiert,
wie sie sich ein wenig beugt und streckt, und plötzlich war mein Bauch viel flexibler und meine Hüften bewegten sich viel freier.
Das Ergebnis war dann ... wir sind lange Gewandert, hinauf hinunter, über drei Stunden, und ich hatte (und habe) kein Problem mehr mit dem Knie!
Fantastisch!
eine Teilnehmerin